Erzählungen aus der Lithothek (5)

Klaus-Dieter Bausch, der erste “Externe” in der Lithothek

Als wir im Jahr 2000 mit dem Auf­bau unser­er Lithothek began­nen, da dacht­en wir natür­lich in erster Lin­ie an die Mit­glieder unser­er Arbeits­gruppe und deren Samm­lun­gen. Wir waren aber immer auch offen für Fre­unde, die unser­er Gruppe nicht ange­hörten. Deswe­gen hat­ten wir im Jahr 2008 auch kein Ver­ständ­nis für das Argu­ment der Vor­stand­schaft der Münch­en­er Min­er­alien­fre­unde gegen die Grün­dung des Lithothekvere­ins, es kön­nten sich dann ja auch Leute an der Lithothek beteili­gen, die dem Vere­in gar nicht ange­hören. Außer­dem war es zu diesem Zeit­punkt auch schon zu spät, die Beteili­gung an der Lithothek auf Mit­glieder irgen­deines Vere­ins zu beschränken. Dank der Zusam­me­nar­beit mit dem Min­er­alien­at­las war unser Vorhaben schon längst nation­al und inter­na­tion­al bekan­nt gewor­den. Und darüber waren wir sehr froh.

Der erste “Externe”, der sich in größerem Umfang an der Lithothek beteiligte, war Klaus-Dieter Bausch. Er war ein in Mül­heim an der Ruhr wohnen­der IT-Spezial­ist und Unternehmens­ber­ater. Sein Samm­lungsansatz war ein ganz beson­der­er: Man fand ihn kaum ein­mal an ein­er Fund­stelle, häu­figer dage­gen auf Börsen, wo er bezahlbare Stufen guter Qual­ität kaufte und tauschte. Bezahlbar waren auch früher schon vor allem Kle­in­stufen und Micro­mounts. Klaus-Dieter Bausch war fasziniert von der math­e­ma­tis­chen Klarheit des Auf­baus von Kristallen, von ihrer Ästhetik und Far­ben­pracht. Ihm ging es vor allem darum, die Schön­heit dieser kleinen Wun­der­w­erke der Natur im Pho­to einz­u­fan­gen, wobei zu sein­er Zeit, d.h. vor allem in den 90-er Jahren des vorigen Jahrhun­derts, noch “ganz nor­mal” pho­togra­phiert wurde, die heute übliche Schicht­pho­togra­phie und das Stack­ing waren nicht bekan­nt, die Bild­bear­beitung am Com­put­er steck­te noch in den Kinderschuhen.

Klaus-Dieter Bausch wurde über den Min­er­alien­at­las auf die Lithothek aufmerk­sam und war von dieser Idee begeis­tert. Im Jahr 2005 kam er nach München, um uns einen Teil sein­er Stufen samt der dazuge­höri­gen Pho­tos per­sön­lich zu über­brin­gen. Den Rest sein­er Samm­lung wollte er erst pho­togra­phieren, um sie uns danach zu übergeben. Es kam nie zu ein­er zweit­en per­sön­lichen Begeg­nung. Wir blieben aber in regelmäßigem tele­fonis­chem oder schriftlichem Kontakt.

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Gold­kristalle aus Wash­ing­ton, USA

Spender und Copy­right: Klaus-Dieter Bausch
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Sil­ber­lock­en aus Ontario, Kana­da
Spender und Copy­right: Klaus-Dieter Bausch

Aus heutiger Sicht denken wir, daß er damals schon von sein­er schw­eren Krankheit wußte. Er war ein ‑wie er sich selb­st nan­nte- Ord­nungswahnsin­niger, der seine Dinge geregelt haben wollte. Die Über­gabe sein­er Samm­lung an die Lithothek hat­te wohl auch damit zu tun, diesen Aspekt seines Lebens zu regeln, so lange er dazu noch in der Lage war. Mitte des Jahres 2007 erhiel­ten wir ein Paket mit weit­eren Teilen sein­er Sammlung.

A005164
Dia­mant aus Kim­ber­ley, Südafri­ka
Spender und Copy­right
Klaus-Dieter Bausch
A002427
Platin-Nugget aus Alas­ka, USA
Spender und Copy­right
Klaus-Dieter Bausch

Einen Tag vor Wei­h­nacht­en 2007 erhiel­ten wir einen Anruf. Er lag in einem Hos­piz und ver­ab­schiedete sich von uns . Der Anruf kostete ihn sehr viel Kraft. Er ver­start am 26.12.2007 im Alter von 61 Jahren. Kurz nach seinem Tod besuchte ich seine Witwe in Mül­heim. Bei dieser Gele­gen­heit bestand sie darauf, dass ich die restlichen Min­er­alien zur Über­nahme in die Lithothek mitnahm.

A005279
nadeliges Kupfer aus den Tuc­son- Moun­tains, USA
Spender und Copy­right
Klaus-Dieter Bausch
A005239
Schwe­fel aus Neu Mexiko,
USA
Spender und Copy­right
Klaus-Dieter Bausch

In unser­er Lithothek ist Klaus-Dieter Bausch mit 650 Stufen vertreten. Viele davon sind auch pho­tographisch doku­men­tiert, und zwar von ihm selb­st. Über 250 sein­er Stufen haben wir per Pho­to auch in den Min­er­alien­at­las eingestellt. Einige Pho­tos sein­er Lieblingsmin­er­alien zeigen wir hier in diesem Kurzbericht. Wir haben uns dabei auf die Darstel­lung von Ele­menten konzen­tri­ert. Alle Stufen entstam­men sein­er Samm­lung und sind von ihm selb­st pho­togra­phiert. Alle anderen Bilder sowie ein von ihm selb­st ver­faßter Samm­ler­steck­brief kann im Min­er­alien­at­las nach-gele­sen werden.

- Erzählt von Dr. Man­fred Seitz

Erzählungen aus der Lithothek (4)

Peter Köhlen und die etruskischen Schlacken in der Barattibucht

Peter Köhlen ist ein begeis­tert­er Min­er­alien­samm­ler und Züchter von Orchideen. Er hat nach Hannes Rose einige Jahre lang die Arbeits­gruppe Micro­mounter der Münch­en­er Min­er­alien­fre­unde geleit­et. Und er war ein­er der Mit­be­grün­der unser­er Lithothek, ein­er der ersten, der den Gedanken ver­trat, unseren Samm­lun­gen durch deren Verge­sellschaf­tung eine Zukun­ft zu geben, auch über die Sam­meltätigkeit des Einzel­nen hin­aus. Und er hat als ein­er der ersten seine eigene Samm­lung in die Lithothek eingebracht.

Unsere neue Samm­lungsver­wal­tung gibt ihm die Möglichkeit, auch heute noch und von zu Hause aus bei uns mitzuar­beit­en: Er hat (und diese Aus­sage gilt für jeden Men­schen auf der ganzen Welt, der unsere Ein­ladung mitzu­machen angenom­men hat) von seinem eige­nen PC aus die Möglichkeit, jedes einzelne Samm­lungsstück aufzu­rufen und dessen Doku­men­ta­tion im Bedarfs­fall zu verbessern. Die Tat­sache, daß er früher jede Fund­stelle mit akribis­ch­er Genauigkeit doku­men­tiert hat (z.B. Art der Fund­stelle, ihre genaue Lage und Koor­di­nat­en), kommt unser­er Samm­lung heute noch zugute. Und Peter macht von dieser Möglichkeit reich­lich Gebrauch.

Seine beson­dere Liebe gilt den Schlack­en­min­er­alien. Diese sind ein eigenes Kapi­tel. Wenn es nach der IMA geht (Inter­na­tion­al Min­er­al Asso­ci­a­tion), dann dürften Stoffe, die aus der Schlacke ent­standen sind, gar nicht als Min­er­alien beze­ich­net wer­den. Es fehle ihnen an der Voraus­set­zung, das Ergeb­nis eines natür­lichen geol­o­gis­chen Prozess­es zu sein, so die Begrün­dung der IMA. Über diese Begrün­dung läßt sich end­los disku­tieren. Was ist mit den Min­er­al­bil­dun­gen auf Halden? Was ist mit den Min­er­alien, die ihre Exis­tenz dem Feuer­set­zen im mit­te­lal­ter­lichen Berg­bau zu ver­danken haben? Was ist mit dem Min­er­al “Bojar­it”, das erst 2020 anerkan­nt und zum Min­er­al des Jahres gekürt wurde? Es ver­dankt seine Entste­hung let­ztlich den Exkre­menten chilenis­ch­er Seevögel.

Peter Köhlen
Bild M. Seitz
Mala­chit, (BB = 1,9 mm)
Bild P. Köhlen
Schlack­en­strand von Barat­ti
Bild P. Köhlen

Wir beteili­gen uns an diesen Diskus­sio­nen nicht. In unser­er Lithothek find­en sich viele wun­der­schöne und hoch inter­es­sante Samm­lungsstücke, die sich aus der Schlacke gebildet haben. Und viele davon stam­men aus der ehe­ma­li­gen Samm­lung von Peter Köhlen. Einige Pho­tos sollen dies ver­an­schaulichen. Wesentlich mehr Bilder kön­nt Ihr im Min­er­alien­at­las sehen.

Uns stört lediglich die Tat­sache, daß immer wieder neue “Min­er­alien” ent­deckt und auch beschrieben wer­den, ohne daß diese die Chance haben, einen all­ge­mein verbindlichen Namen zu erhal­ten. Die Folge davon ist, daß diese Stoffe unter ver­schiede­nen Beze­ich­nun­gen durch die Samm­lun­gen und die Lit­er­atur geis­tern. Im Zweifels­fall ist es sehr schw­er zu erken­nen, ob unter ein­er ein­heitlichen Beze­ich­nung ein iden­tis­ches oder ver­schiedene Min­er­alien gemeint sind, oder ob es sich bei zwei ver­schiede­nen Beze­ich­nun­gen vielle­icht nicht doch um ein iden­tis­ches Min­er­al handelt.

Ata­camit (BB= 1,8 mm)
Bild: H. Osterhammer
Goethit, psm n. Gips (BB = 3.8 mm)
Bild B. Bogusch
Cuprit (BB 0,6mm)
Bild: Mat­teo Chinellato

Man kann über Schlack­en­min­er­alien dicke Büch­er schreiben. Ich werde mich hier auf einen ganz kleinen Auss­chnitt beschränken, näm­lich auf die etruskischen Schlack­en, die in der Bucht von Barat­ti gefun­den wer­den kön­nen, und wo auch Peter sehr viel gesam­melt hat.

Die Etrusker lebten zwis­chen 800 vor Chris­tus und 1000 nach Chris­tus unter anderem in der heuti­gen Toskana. Ein Zen­trum der etruskischen Kul­tur lag bei Pop­u­lo­nia, ein­er Stadt auf einem fel­si­gen Vor­sprung an der Küste südlich des Golf von Barat­ti. Die Bedeu­tung von Pop­u­lo­nia begrün­dete sich in der Ver­hüt­tung des Eisen­erzes in der Bucht von Barat­ti, das von Elba aus an die Küste des Fes­t­landes ver­bracht wurde. Es müssen riesige Men­gen an Eisen­erz ange­landet wor­den sein. Noch heute ist der Strand bei San Cer­bone an der Barat­tibucht von fein­sten Hämatit­split­tern schwarz gefärbt. Die bei der Ver­hüt­tung des Erzes entste­hende Schlacke wurde direkt am Strand abge­lagert oder ins Meer geschüttet.

Mit der in der Antike ver­wen­de­ten Holzkohle kon­nten nicht so hohe Tem­per­a­turen erzeugt wer­den wie dies mit den mod­er­nen Tech­niken möglich ist. Als Folge hier­von blieben viel Erzreste in der Schlacke zurück, die mit den im Meer­wass­er enthal­te­nen Ele­menten reagierten und Sekundär­min­er­alien bildeten.

Im ersten Vier­tel des 20. Jahrhun­derts erkan­nte man den reichen Erzge­halt der antiken Schlack­en. Bed­ingt auch durch die kriegerischen Aktiv­itäten in dieser Zeit stieg der Bedarf an Met­allen für die indus­trielle Weit­er­ver­ar­beitung. Es waren inzwis­chen Tech­nolo­gien entwick­elt wor­den, die die Wieder­auf­bere­itung der antiken Schlack­en als dur­chaus rentabel erscheinen ließen. Als man damit begann, die meter­dicke Schicht antik­er Schlack­en neuerd­ings zu ver­hüt­ten, stieß man unter der Schlacke auf ein sehr gut erhaltenes etruskisches Gräber­feld, Kern und Mit­telpunkt des heuti­gen archäol­o­gis­chen Parks.

Über viele Jahre hin­weg war der Strand von Barat­ti ein Eldo­ra­do für Micro­mounter. In den Höh­lun­gen der Schlack­en­brock­en ließen sich fast 100 unter­schiedliche Min­er­alarten find­en, Sekundär­bil­dun­gen aus Kupfer, Blei, Zink, Eisen und anderen Met­allen. Es war wichtig, darauf zu acht­en, dass man nicht die leicht­en und glasi­gen Schlacke­brock­en aus der mod­er­nen Ver­hüt­tung unter­suchte, son­dern sich auf die schw­er­eren und und porösen Schlack­en aus der antiken Ver­hüt­tung konzen­tri­erte. Nur die antiken Schlack­en sind wirk­lich mineralreich.

Heute ist das Sam­meln weit­ge­hend unter­sagt. Auch hier hat der Natur- und Land­schaftss­chutz enge Gren­zen geset­zt. Was aber noch immer bleibt, das ist die vielle­icht angenehm­ste Art des Sam­melns. Man steigt ins erfrischende Nass des Meeres und taucht die Schlacke­brock­en aus ein­er Tiefe von vielle­icht drei Metern heraus.

Dr. Man­fred Seitz

Erzählungen aus der Lithothek (3)

Wolfram Schäfer (17.9.1934–13.11.2017)

war ein sehr aktives Mit­glied der Münch­en­er Min­er­alien­fre­unde. Viele Jahre lang war er es, der regelmäßig dafür sorgte, dass jeden Monat ein inter­es­san­ter Vor­trag ange­boten wer­den kon­nte. Viele Jahre lang leit­ete er die GMI (Gem­mol­o­gisch-Min­er­al­o­gis­che-Inter­es­sen­ge­mein­schaft), ein Vere­in, der aus den Münch­en­er Min­er­alien­fre­un­den her­vorge­gan­gen war mit dem Ziel, auch The­men auf ein­er höheren wis­senschaftlichen Ebene anzubieten.

Son­nen­fin­ster­n­is

In dieser Funk­tion organ­isierte er hochin­ter­es­sante geol­o­gis­che Exkur­sio­nen im In- und Aus­land. So hat­te ich selb­st Gele­gen­heit, an ein­er über­aus erleb­nis­re­ichen Exkur­sion nach Island teilzunehmen und am 11. August 2009 die totale Son­nen­fin­ster­n­is von dort aus zu beobachten.

Noch in recht hohem Alter war er wis­senschaftlich sehr inter­essiert, studierte Min­er­alo­gie und erwarb den akademis­chen Grad eines Diplommineralogen.

Wol­fram Schäfer war kein Micro­mounter. Sein Sam­melschw­er­punkt galt den Edel­steinen, und zwar in der Form, in der sie in der Natur vorkom­men. Er besaß eine eine beachtliche Samm­lung bemerkenswert schön­er Exem­plare, die er kom­plett der Min­er­al­o­gis­chen Staatssamm­lung München zukom­men lassen wollte.

Im Grunde war also die Samm­lung von Wol­fram Schäfer für die Lithothek ver­loren, Den­noch sind einige dur­chaus inter­es­sante Stücke von ihm in unser­er Samm­lung gelandet. Wir zeigen in diesem Beitrag beispiel­haft einige Pho­tos, die wir von den von ihm gespende­ten Stück­en gemacht haben.

In einem im ver­gan­genen Jahr geführten Gespräch über eine mögliche Koop­er­a­tion zwis­chen der neu gegrün­de­ten gGmbH und der Min­er­al­o­gis­chen Staat­samm­lung München wurde unter anderem auch die Frage disku­tiert, ob es nicht möglich sei, Micro­mounts und Klein­min­er­alien, die jet­zt in den Archiv­en der Min­er­al­o­gis­chen Staatssamm­lung lagern, über die Ein­beziehung in die Lithothek wieder ans Licht des Tages zu brin­gen und der All­ge­mein­heit zugänglich zu machen. Selb­stver­ständlich müßte hier­bei der Eigen­tumsvor­be­halt der Min­er­al­o­gis­chen Staatssamm­lung beachtet wer­den. Die Gespräche sind noch im Gange.

Auf diesem Wege bestünde die Möglichkeit, auch die Kost­barkeit­en aus der Samm­lung von Wol­fram Schäfer wieder ans Tages­licht zu brin­gen und der Öffentlichkeit zu zeigen.

Dr. Man­fred Seitz

Jahrbuch der Lithothek 2021

Das Jahr 2021

war ein ganz beson­deres Jahr, auch für uns. Wir liefen Gefahr, von der Coro­na-Pan­demie in unseren Aktiv­itäten völ­lig aus­ge­bremst zu wer­den. Aber: Wir haben die Möglichkeit gese­hen und genutzt, diese Gefahr als eine Chance zu begreifen und zu neuen Ufern aufzubrechen.

Unsere bish­erige Samm­lungsver­wal­tung (MDAT-COLL) war schon seit eini­gen Jahren nicht mehr gepflegt wor­den. Es bestand Hand­lungs­be­darf. Ste­fan Schorn entwick­elte zusam­men mit ein­er kleinen Gruppe von Fre­un­den ein neues und mod­ernes Daten­banksys­tem zur Ver­wal­tung und Doku­men­ta­tion von Samm­lun­gen aller Art, dem wir den Namen GEOLITHO gaben.
Unsere Liththek, die nach zwanzig Jahren ihres Beste­hens auf über 53.000 Objek­te angewachsen war, ist die erste Samm­lung, die Geolitho nutzt. Erwartungs­gemäß war der Umstieg nicht unprob­lema­tisch, aber der Aufwand hat sich gelohnt. 

Erst­mals kon­nten wir die Möglichkeit nutzen, zu Mehreren ort­sun­ab­hängig und zeit­gle­ich an der Lithothek zu arbeit­en. Dies hat z.B. den Vorteil, dass …

Mehr aus dem Jahrbuch find­et ihr in dem ange­hängten Doku­ment, das Ihr als .pdf herunter laden könnt.

Das Jahrbuch wurde von Man­fred Früchtl im Novem­ber 2021 erstellt.

Berichte aus der Lithothek (01)

Mineralien vom Huberstock bei Horní Slavkov (Schlaggenwald)

Berichte aus der Lithothek Nr. 1 ( 2018)

Zwis­chen den böh­mis­chen Ortschaften Schlaggenwald/Horní Slavkov und Schönfeld/Krásno liegt die Fund­stelle des Huber-Tage­baus. Von dieser Lager­stätte sind über 200 ver­schiedene Min­er­alien bekan­nt, von eini­gen ist sie sog­ar Typlokalität oder zumin­d­est Co-Typlokalität (Ian­grey­it, Kras­noit, Kunatit, Slavkovit, Tvrdyit).

Die Lithothek belegt mit fast 300 Samm­lungsstück­en das reiche Min­er­alien­in­ven­tar dieser Fund­stelle. In den let­zten Monat­en wurde dieser Bestand in den Lithothek­aben­den vom Vere­in zur Förderung der Lithothek e.V inten­siv bear­beit­et. Neben ein­er Sich­tung und Bew­er­tung des Bestandes sowie möglichen Ergänzun­gen war es erk­lärtes Ziel, die Bes­tim­mungssicher­heit zu verbessern. Dazu wur­den für viele Samm­lungsstücke Analy­sen beauf­tragt. Durch die inten­sive Diskus­sion in der Gruppe und unter­stützt von den Analy­seergeb­nis­sen wur­den einige unsichere oder auch fehler­hafte Bes­tim­mungen kor­rigiert. Dies zeigt, dass die Arbeit an den Lithothek­aben­den einen wertvollen Beitrag zur Samm­lungsqual­ität leistet.

Im Rah­men dieser Arbeit wur­den zudem bish­er nicht von hier beschriebene Neu­funde iden­ti­fiziert (Anatas/Brookit, Apophyl­lit (?), Cerus­sit, Neustädtelit, Pyro­mor­phit, Variscit).

Zudem ergaben die Analy­sen für zwei Samm­lungsstücke chemis­che Zusam­menset­zun­gen, die eventuell auf zwei neue Min­er­alien hin­deuten kön­nten (weit­ere Unter­suchun­gen sind geplant). Wir haben einen aus­führlichen Arbeits­bericht erstellt, der die Fund­stelle vorstellt und einen Überblick über die Lit­er­atur gibt. Das bekan­nte Min­er­al­in­ven­tar wird um die Neu­funde ergänzt und als Liste bere­it­gestellt. Es wer­den aus­gewählte Stücke (vor allem die Neu­funde) zusam­men mit den Analyse­dat­en präsen­tiert. Die abschließende Fotodoku­men­ta­tion zeigt einen Quer­schnitt durch den Samm­lungs­be­stand der Lithothek.

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Erzählungen aus der Lithothek (2)

Klaus Fleck und wie alles begann

Es war am let­zten Tag der Münch­en­er Min­er­alien-tage des Jahres 1999. Die Arbeits­gruppe Micro­mounter hat­te im zweit­en Jahr in Folge einen eige­nen Stand. Ein uns zuvor nicht bekan­nter Herr erschien am Stand und stellte sich vor: „Mein Name ist Klaus Fleck. Ich han­dle mit Sys­tem­atik-Min­er­alien und möchte aus diesem Geschäft aussteigen. In meinem Haus lagert noch viel Han­del­sware, von der ich mich tren­nen möchte. Dafür sehe ich nur die Möglichkeit des Weg­w­er­fens oder des Wegschenkens.“ Es fiel uns nicht schw­er, ihn davon zu überzeu­gen, dass ver­schenken die bessere Lösung sei. So vere­in­barten wir einen Ter­min, zu dem wir die Stufen bei ihm abholen wollten.

Einige Wochen später war das Haus von Klaus Fleck frei von Han­del­sware. Dafür war der Lat­tenkeller unseres Apart­ments in Heim­stet­ten nicht mehr bege­hbar und die Idee der Lithothek geboren. Im Min­er­alien­at­las haben wir genauer beschrieben wie es dazu kam und wie in den Wochen danach die Idee der Lithothek sich konkretisierte. Im Min­er­alien­at­las sind unter dem Such­be­griff „Klaus Fleck“ Details zu diesem Prozess beschrieben.

Das Jahr 2000 war mit Vor­bere­itungsar­beit­en gefüllt. Das Mate­r­i­al von Her­rn Fleck musste auf­bere­it­et wer­den (Was geht in die Lithothek? Was wird in der Arbeits­gruppe verteilt? Was soll verkauft wer­den?), ein Daten­banksys­tem für die Samm­lungs­doku­men­ta­tion musste gefun­den wer­den und vieles mehr. Erst im Jahr 2001 kon­nten wir mit dem eigentlichen Auf­bau der Lithothek beginnen.

Noch heute sind etwas über 2000 Stufen aus der dama­li­gen Schenkung fes­ter Bestandteil unser­er Lithothek. Beina­he 300 davon sind auch bere­its pho­tographisch doku­men­tiert und im Atlas für jed­er­mann ein­se­hbar. Das Einar­beit­en der Stufen von Klaus Fleck stellte uns vor ganz beson­dere Prob­leme, die uns zum Teil auch heute noch beschäftigen.

Er han­delte über­wiegend mit Sys­tem­atik-Min­er­alien, die oft Namen tra­gen, die wir damals zum ersten Mal hörten, und die uns sehr exo­tisch vorka­men. Auch die Namen der Fund­stellen waren uns nicht geläu­fig. Sie lagen oft in Län­dern, die kein­er von uns je bereist hat­te. Die benötigten Infor­ma­tio­nen aus der Lit­er­atur zu bekom­men, war über­aus schwierig. Auch das Inter­net war in den frühen Jahren des 21. Jahrhun­derts noch nicht so recht entwick­elt, der Min­er­alien­at­las steck­te damals genau­so in den Kinder­schuhen wie unsere Lithothek. Um nur ein Beispiel unter vie­len zu nen­nen: Wie soll­ten wir mit ein­er Stufe umge­hen, die den Namen Win­stan­ley­it trug und aus Ari­zona kom­men sollte?

Wir macht­en uns das Leben zunächst ein­fach. Die Stufe erhielt eine Num­mer und wurde mit genau den Infor­ma­tio­nen in die Samm­lung eingegliedert, die wir eben hat­ten. Wir bewiesen Mut zur Lücke und bezahlten dafür den Preis, dass in unser­er neu entste­hen­den Samm­lung viele an sich benötigten Dat­en fehlten, zumin­d­est aber nicht so genau waren, wie wir uns dies gewün­scht hätten.

In unser­er Doku­men­ta­tion sollte jedes Samm­lung­sob­jekt mit einem Qual­itätsmerk­mal aus­ges­tat­tet wer­den, wobei uns die Bew­er­tungsmöglichkeit­en von „sehr gut“ bis „Beleg“ zur Ver­fü­gung standen. Da uns man­gels ver­gle­ichsmöglichkeit­en und eigen­er Erfahrun­gen auch die zuver­läs­sige Bew­er­tung dieser Stufen schw­er fiel, erhiel­ten sie fast alle die Qual­itätsstufe „Beleg“.

Manch­mal sind ein­fache Lösun­gen die besten. Dies war wohl auch in diesem Fall so, was sich erst in späteren Jahren (und bis heute noch) immer wieder zeigt. Irgend­wann (zum Teil erst Jahre später) wurde uns aus ganz ander­er Quelle ein Stück gespendet mit dem­sel­ben Namen und ein­er ähn­lichen Fun­dor­tangabe. Jet­zt erst hat­ten wir Ver­gle­ichsmöglichkeit­en, die wir auch nutzten. Auch die Möglichkeit­en zu recher­chieren hat­ten sich deut­lich verbessert. Und natür­lich war unser eigen­er Ken­nt­nis­stand deut­lich höher.

Das Ergeb­nis unser­er Ver­gle­ich­sar­beit war im Grunde immer das­selbe: In den aller­meis­ten Fällen durften wir fest­stellen, dass die Stufen von Klaus Fleck richtig bes­timmt waren. Oft aber lieferte die neu zuge­gan­gene Stufe Hin­weise auf den genaueren Fun­dort. Fast immer durften wir fest­stellen, dass wir die Stufe von Klaus Fleck ursprünglich und aus Unken­nt­nis deut­lich unter­be­w­ertet hat­ten, was wir jet­zt berichti­gen konnten.

Nur in sel­te­nen Fällen warf der Ver­gle­ich Fra­gen auf, die dann dazu führten, dass wir eines der bei­den oder sog­ar bei­de Ver­gle­ichsstücke analysieren ließen. Bish­er ist es noch nicht vorgekom­men, dass sich das Stück von Klaus Fleck als falsch erwies und deshalb aus der Lithothek genom­men wer­den musste.

Klaus Fleck war zu kein­er Zeit ein Samm­ler. Zumin­d­est hat er nie Micro­mounts oder Kle­in­stufen gesam­melt. Eine Art Samm­lung ent­stand erst, nach­dem er sich von seinem Warenbe­stand getren­nt hat­te und wir sein Mate­r­i­al teil­weise in unsere Lithothek inte­gri­erten. Wir denken oft und gerne an ihn und damit die Anfänge unseres Vorhabens zurück.

Brook­it vom Mag­net Cove in Arkansas Win­stan­ley­it von der Grand Cen­tral Mine
BB = 3,5 mm, (A003 079)
Win­stan­ley­it von der Grand Cen­tral Mine
Tomb­stone, Cochise Co., Ari­zona
BB = 2,3 mm, (A000 074)

Erzählt von Dr. M. Seitz

Erzählungen aus der Lithothek (1)

Dorothea (Dorle) Kulicke

Unsere Lithothek ist ein Vorhaben, das inzwis­chen in sein­er Bedeu­tung weit über die Arbeits­gruppe Micro­mounter hin­aus­re­icht. Deswe­gen leg­en wir diesen Artikel auch nicht unter der Fach­gruppe Micro­mounter ab, son­dern eröff­nen mit ihm eine neue Rubrik, in der wir kün­ftig regelmäßig über unsere Lithothek bericht­en werden.

Als wir im Jahr 2001 mit der Arbeit an dieser Samm­lung began­nen, da kon­nten wir nicht ahnen, zu was für einem Erfol­gsmod­ell sich dieses Vorhaben entwick­eln würde. Auch unser Vor­stand war skep­tisch und hat­te Bedenken: „Unsere Micro­mounter wollen sich an der Quad­ratur des Kreis­es ver­suchen“, so informierte Herr Gößwein, damals 2. Vor­stand des Vere­ins, die Mit­glieder im Rah­men eines Vere­ins­abends. Diese Bedenken waren dur­chaus nicht unberechtigt. Viele Fra­gen wur­den uns damals gestellt, die wir nicht beant­worten kon­nten. Das mussten wir aber auch nicht, denn sie waren zum dama­li­gen Zeit­punkt nicht rel­e­vant. Inzwis­chen sind manche der damals erwäh­n­ten Prob­leme konkret gewor­den. Und wir haben immer eine adäquate Lösung gefunden.

Ohne auf diese Bedenken Rück­sicht zu nehmen, began­nen wir ein­fach mit der Arbeit. Ein­er unser­er Grund­sätze war der, dass jed­er mit­machen darf, dass aber nie­mand mit­machen muss. Ein ander­er bestand in der Überzeu­gung, dass Visio­nen, die heute unre­al­isier­bar erscheinen, mor­gen schon Real­ität und über­mor­gen bere­its zur Selb­stver­ständlichkeit gewor­den sein kön­nen. Diese Grund­sätze haben uns 20 Jahre lang begleit­et. Und sie gel­ten noch heute.

Mit diesem und den später fol­gen­den kurzen Artikeln wollen wir Euch in unter­halt­samer Form darüber informieren, was die Lithothek ist, was es Neues gibt und wo sie hin­s­teuert. Vielle­icht gibt es ja den einen oder anderen, der Lust daran hat mitzu­machen. Auf alle Fälle aber wür­den wir uns über ein Feed­back freuen, das ihr jed­erzeit gerne unter Lithothek@gmx.de an uns schick­en kön­nt. Wir freuen uns über pos­i­tive Reak­tio­nen, wir sind aber auch für Kri­tik und Anre­gun­gen aller Art jed­erzeit aufgeschlossen.

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Die Lithothek ver­fol­gt ganz unter­schiedliche Ziele. Ein erstes ganz wichtiges Ziel bestand und beste­ht noch immer darin, anhand ihrer Samm­lun­gen die Erin­nerung wach zu hal­ten an Fre­unde, die nicht mehr unter uns sind. Unter diesem Gesicht­spunkt wollen wir diese erste Folge unser­er Serie Dorothea Kulicke (Dor­le) widmen.

Dor­le wird dem einen oder anderen von Euch vielle­icht noch bekan­nt sein. Sie war langjähriges Vere­ins­mit­glied und leit­ete vor Ger­hard Voges die Arbeits­gruppe Senioren und Anfänger, wo sie offen­bar ein strenges Reg­i­ment führte. Bekan­nt sind Geschicht­en darüber, dass sie auf Exkur­sio­nen mit Hil­fe ihrer Trillerpfeife für Ord­nung und Diszi­plin in der ihr anver­traut­en Gruppe sorgte. Sie war aber auch sehr großzügig. Wer son­st hätte es fer­tigge­bracht, die gesamte MM-Gruppe (die damals allerd­ings sehr klein war) auf ihre Kosten zu Sam­melexkur­sio­nen einzuladen.

Ich habe sie im Früh­jar 1995 als Mit­glied der Micro­moun­ter­gruppe ken­nen gel­ernt. Ich war damals neu bei den Min­er­alien­fre­un­den einge­treten und hat­te große Startschwierigkeit­en. Die Gruppe war sehr klein, traf sich ein­mal im Monat, disku­tierte ohne vor­ab fest­gelegte The­men, tauschte Min­er­alien, verabre­dete sich zu gemein­samen Exkur­sio­nen und ging dann gemein­sam zum Aben­dessen. Ein Neuer wurde kaum zur Ken­nt­nis genom­men. Ich war kurz davor wieder abzus­prin­gen. Es war Dor­le, die dies real­isierte und ver­hin­derte. Sie lud mich zu sich nach Hause ein, wo wir Min­er­alien aus ihrer Samm­lung betra­chteten und disku­tierten. So lernte ich als absoluter Anfänger erst­mals die Grube Clara ken­nen, die Min­er­alien aus der Eifel, von Waid­haus, aus dem Kaiser­stuhl, aber auch aus dem Tessin und von Laurion.

Bald entwick­elte sich aus diesen Anfän­gen eine enge Fre­und­schaft auch zwis­chen ihr und mein­er Frau Regine. An einem fest­gelegten Tag holte ich Dor­le jede Woche ab, und wir arbeit­eten gemein­sam bei uns zu Hause an Min­er­alien. Es war ihr erst gar nicht so lieb, dass ich in Heim­stet­ten ein eigenes Apart­ment anmi­etete, um dort an unserem Hob­by zu arbeit­en und damit den durch das For­matieren von Roh­ma­te­r­i­al zwangsläu­fig entste­hen­den Staub aus unser­er Woh­nung zu ver­ban­nen. Sie fürchtete (zu Unrecht), dies könne dem Kon­takt zwis­chen Regine und ihr abträglich sein.

Als wir im Jahr 2001 mit den Arbeit­en an der Lithothek began­nen war Dor­le eine der Ersten, die ihre Samm­lung ein­brachte. Sie hat­te keine Fam­i­lie, die sich später ein­mal für ihre Micro­mounts hätte inter­essieren kön­nen. Insofern war es für sie nahe­liegend, die Exis­tenz ihrer kleinen Schätze auch über die Zeit ihres Lebens hin­aus zu sich­ern. Gemein­sam gin­gen wir Stück für Stück ihrer Samm­lung durch und entsch­ieden, was in die Samm­lung gehen sollte und was wir später ein­mal für den Verkauf freigeben wollten.

Heute befind­en sich über 1.300 Stücke aus ihrer ehe­ma­li­gen Samm­lung in der Lithothek. Da sie immer beson­deren Wert auf Ästhetik legte, sind viele dieser Samm­lung­sob­jek­te bere­its pho­togra­phiert und im Min­er­alien­at­las veröf­fentlicht, wo sie von jed­er­mann betra­chtet wer­den kön­nen. Wir bew­erten die Qual­ität unser­er Samm­lung­sob­jek­te mit Ster­nen und sind dabei sehr kri­tisch. Immer­hin haben mehr als 270 Micro­mounts aus Dor­les ehe­ma­liger Samm­lung die max­i­mal mögliche Anzahl von fünf Ster­nen erhalten.

Dor­le starb am 2.11.2003, am Abend des let­zten Mes­se­tages. Sie wollte diese Messe unbe­d­ingt noch ein­mal erleben, hat­te aber nicht mehr die Kraft zu einem per­sön­lichen Besuch. So musste sie sich damit beg­nü­gen, den Messekat­a­log dieses Jahres als let­zte Lek­türe ihres Lebens zu studieren. Wer mehr über unsere Fre­undin Dor­le und ihre Lei­den­schaft für Min­er­alien wis­sen möchte, der find­et unter www.mineralienatlas.de bei dem Such­be­griff „Kulicke“ einen aus­führlichen Samm­ler­steck­brief von Dor­le und ins­ge­samt 580 Pho­tos mit Stufen aus ihrer ehe­ma­li­gen Sammlung.

Oliven­it
Grube Clara
Bar­io­phar­makosider­it
Grube Clara

Dr. Man­fred Seitz